Heizung

Heizung entlüften in 5 Minuten – Schritt für Schritt

Wenn der Heizkörper oben kalt bleibt oder gluckert, ist das fast immer Luft im System – und kein Grund, einen Techniker zu rufen. Diese Anleitung erklärt alles, was Sie wissen müssen.

Heizkörper entlüften – David Schütze Haustechnik Karlsruhe

Es ist einer der häufigsten Anrufe, die wir im Herbst bekommen: „Mein Heizkörper wird oben nicht warm." In neun von zehn Fällen ist die Diagnose simpel – Luft im System – und das Problem lässt sich in fünf Minuten selbst lösen, ohne Handwerker, ohne Wartezeit, ohne Kosten.

Dieser Artikel erklärt, warum Luft in die Heizung kommt, wie Sie sie herauslassen und was Sie danach unbedingt prüfen müssen.

Warum sammelt sich Luft im Heizkörper?

Luft im Heizkreis entsteht aus verschiedenen Quellen. Am häufigsten nach der Sommerpause, wenn das System erstmals wieder in Betrieb genommen wird. Beim Befüllen und Aufheizen können Luftblasen eingeschlossen werden, die sich an den höchsten Punkten des Systems – also oben im Heizkörper – festsetzen.

Ein weiterer Grund ist Korrosion: Wenn Metall und Wasser reagieren, entsteht unter anderem Wasserstoff. Dieser sammelt sich ebenfalls in den Heizkörpern. Ältere Anlagen mit viel Stahl neigen dazu stärker als moderne Systeme. Wenn Sie regelmäßig – mehrmals pro Saison – entlüften müssen, ist das ein Hinweis auf Korrosion im System, den wir uns gerne ansehen.

Woran erkenne ich, dass Entlüften nötig ist?

  • Der Heizkörper ist unten warm, oben jedoch spürbar kälter oder ganz kalt
  • Es sind Gluckern, Blubbern oder Rauschen aus dem Heizkörper zu hören
  • Einzelne Räume heizen deutlich schlechter als andere, obwohl das Thermostat auf gleicher Stufe steht
  • Die Heizung läuft länger als früher, um die gleiche Temperatur zu erreichen

Was Sie brauchen

  • Einen Heizkörper-Entlüftungsschlüssel – kostet 2–4 Euro im Baumarkt oder in jedem Eisenwarengeschäft. Manche Ventile haben auch einen normalen Schlitzschraubendreher-Anschluss.
  • Ein kleines Gefäß oder einen Lappen – das Wasser, das nach der Luft kommt, muss irgendwo aufgefangen werden.

Schritt für Schritt: So entlüften Sie richtig

Schritt 1: Lassen Sie die Heizung laufen. Die Pumpe soll aktiv sein, das Wasser warm. Drehen Sie den Thermostat des betroffenen Heizkörpers auf Stufe 3 oder höher.

Schritt 2: Lokalisieren Sie das Entlüftungsventil. Es sitzt oben an einer der Seiten des Heizkörpers – ein kleines, sechseckiges oder geschlitztes Ventil, oft unter einer Plastikkappe verborgen.

Schritt 3: Halten Sie das Gefäß oder den Lappen direkt unter das Ventil. Setzen Sie den Schlüssel an und drehen Sie ihn langsam gegen den Uhrzeigersinn – maximal eine halbe Umdrehung. Kein starkes Aufdrehen nötig.

Schritt 4: Sie hören ein Zischen – das ist die Luft, die entweicht. Halten Sie die Position, bis das Zischen aufhört und Wasser austritt. Dann drehen Sie das Ventil wieder zu.

Schritt 5: Wiederholen Sie diesen Vorgang an allen Heizkörpern der Wohnung – am besten in der Reihenfolge von oben nach unten im Gebäude. So vermeiden Sie, dass Luft aus einem entlüfteten Heizkörper in einen anderen wandert.

Achtung: Das Ventil nicht zu weit öffnen. Bei zu starkem Aufdrehen kann das Ventil schwer zu schließen sein, oder Wasser schießt heraus. Eine halbe Umdrehung reicht vollkommen.

Danach unbedingt: Wasserdruck prüfen

Das ist der Schritt, den die meisten Menschen vergessen – und der wichtigste nach dem Entlüften. Beim Ablassen der Luft entweicht auch etwas Wasser. Wenn Sie mehrere Heizkörper entlüftet haben, sinkt der Wasserdruck im System merklich.

Den Wasserdruck sehen Sie am Manometer – einem kleinen Rundinstrument, das meist direkt am Heizkessel sitzt. Der Zeiger sollte im Betrieb zwischen 1,5 und 2,0 bar stehen. Steht er darunter – vor allem unter 1,0 bar –, heizt das System ineffizient oder schaltet sich im schlimmsten Fall selbst ab.

Wenn der Druck zu niedrig ist, muss Wasser nachgefüllt werden. Das geht über den sogenannten Füllhahn, der sich meist ebenfalls am Heizkessel befindet. Wo genau, ist von Modell zu Modell unterschiedlich – schauen Sie in die Bedienungsanleitung Ihrer Heizung oder rufen Sie uns kurz an.

Wann Sie uns trotzdem anrufen sollten

Das Entlüften ist ein einfacher Eingriff. Aber es gibt Situationen, in denen dahinter mehr steckt:

  • Sie entlüften, und nach zwei Wochen ist Luft wieder da – das deutet auf Korrosion oder ein Leck im System hin.
  • Das Wasser, das beim Entlüften austritt, ist braun, trüb oder riecht metallisch – das System braucht eine Wasseranalyse und ggf. eine Spülung.
  • Der Druck fällt regelmäßig ab, ohne dass Sie entlüften – das ist ein Zeichen für ein Leck.
  • Sie finden kein Manometer oder können den Füllhahn nicht identifizieren.

In all diesen Fällen schauen wir uns das System an, finden die Ursache und beheben sie. Kein Raten, kein Abwarten.

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